Hitzefrei? Kommt gar nicht in die Tüte!

Endlich Sommer, 36 Grad! Für den Schulbetrieb sind das ja Wohlfühl-Temperaturen! Eigentlich perfekt für die Klassenarbeit meiner 9 a zum Thema „Warum platzen reife Kirschen bei Regen?“ Aber Noel (14) wischt sich die Schweißperlen von der Stirn und klagt: „Scheiß Bio! Ich will hitzefrei!“ Besänftigend, aber in bestimmtem Ton weise ich ihn zurecht: „Nur weil in Niedersachsen wieder das Abi in 13 Jahren eingeführt wurde, heißt das nicht, das wir hier alle trödeln oder blau machen können! Reiß‘ Dich gefälligst etwas am Riemen!

Keine 5 Minuten vergehen, das Thermometer neben der Tafel ist inzwischen nur ein bisschen, auf 37,2 Grad, gestiegen, da muckt Jessika (14) auf. 80 Kilo bei 1,53 m Körpergröße. Plötzlich ist sie rot wie eine Tomate, stöhnt heiser: „Frau Scha-lupp-ke… darf ich … ein Fenster auf… machen? Die Hitze! – Mir is‘ sooo schlecht!“ Auch hier muss ich, mit viel pädagogischem Fingerspitzengefühl, die Disziplin der Schülerin einfordern: „Jessika, Du weißt genau: ich habe eine Blütenstauballergie. Offenes Fenster geht nicht! Aber wenn Du die Klassenarbeit nicht versemmelst, dann darfst Du in der nächsten Woche die Fotoausstellung über unsere letzte Klassenfahrt nach Eutin organisieren. Ist das nicht s-u-p-e-r toll?? Ach übrigens: ‚Osmose‘ schreibt man nicht mit ‚h“ nach dem zweiten ‚o‘!“

Punkt 12 Uhr sammle ich die Klassenarbeiten ein. An den Fenstern hat sich etwas Kondenswasser gebildet, aber das Thermometer zeigt immer noch verhältnismäßig kühle 40 Grad an. Ich bin richtig stolz auf meine Schüler! Hier, an diesem sonnigen Vormittag in unserem schönen Klassenzimmer haben sie, die Schüler meiner 9 e, alle gemeinsam eindrucksvoll demonstriert, dass der Unfug aus den 1980er Jahren mit dem ständigen „Hitzefrei!“, „Hitzefrei!“ , also dem ständigen Schulfrei wegen leicht erhöhter Temperaturen, völliger Unsinn, kompletter Wahnsinn und ein völlig übertriebener Hokuspokus war!

Mit dem Kollegium habe ich schon meine Pläne für das Winterhalbjahr diskutiert. Unser Ziel: „Die „Kältefrei“-Tage, also die Tage, an in denen wegen Frost und Schnee der Schulunterricht ausfällt, auf Null zu reduzieren! Herr Knurr, unser charismatischer Sportlehrer ist wieder mal sehr solidarisch in die Bresche gesprungen und hat schon angeboten, mit den Schülern der Neigungsgruppe „Huskyschlittenfahren“ einen Hol- und Bringdienst einzurichten, an den Tagen, an denen die Straßen im Stadtgebiet für Autos nicht passierbar sind. Aber bis dahin ist es ja noch etwas hin. Bis dahin: Like Ice in the sunshine!

Ganz liebe Grüße von Eurer Wetterfee!

PS. Im Sinne der Nachhaltigkeit wollen wir den CO-2-Fussabdruck unserer Schule reduzieren und überlegen zurzeit, im Winter komplett auf das Heizen der Klassenräume zu verzichten. Ich halte Euch auf dem Laufenden!!

Anneliese Schaluppke-Schlauenburg

Oberstudienrätin und seit 30 Jahren Lehrerin an der Thomas-Gottschalk-Realschule im schönen Malzheim an der Piesel. mehr über mich

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