Classroom Management

Als Lehrer in der Thomas-Gottschalk Realschule nehme ich didaktische Hinweise zur Lehrerfortbildung immer gerne auf, denn ich bin überzeugte Verfechterin eines State-of-the-art-teaching.

Deswegen habe ich mir im Lehrerzimmer auch eine kleine Privat-Bibliothek eingerichtet, mit nützlichen Ratgebern für den schulpädagogischen Alltag. Die dürfen natürlich auch auf keiner Klassenfahrt fehlen!  Besonders gern ziehe ich wissenschaftliche Literatur zum Thema „Classroom Management“ zu Rate. Diese Bücher enthalten zeitgemäße Erkenntnisse über den modernen Schulbetrieb und sind eine echte Bereicherung für jeden verantwortungsvollen Pädagogen!

Denn wer von uns Lehrerinnen kennt sie nicht: die gefürchteten Mitglieder der Klassengemeinschaft mit ADHS oder anderen Verhaltens-Auffälligkeiten, die man nur schwer in den Griff bekommt! Also: wie gehe ich um mit den Launen und Aggressionen der Teenager? Und vor allem: was mache ich, wenn Yasmin und Jessica wieder Basteln boykottieren oder WhatsApp-Nachrichten verschicken?

Ein ganz wichtiger Aspekt: die Augen eines guten Lehrers sind überall! Deswegen schritt  ich neulich zur Tat  und installierte hinten im Klassenzimmer, ganz oben an der Wand, einen etwa 1,40 Meter breiten Hohlspiegel, mit freundlicher Unterstützung durch unseren Hausmeister, Herrn Hoffmann.

Vorher verschickte ich einen Brief an die Eltern, dass dies nichts mit Überwachung zu tun hat, sondern nur der Erhaltung der Unterrichtsdisziplin dient. 😉

Und auch mit der  Datenschutzbeauftragten unserer Schule, Frau Cecilia Milchström-Sesselkraft habe ich selbstverständlich alles abgestimmt! Darüber hinaus liegen mir Einverständniserklärungen der Eltern vor. Mit dem großen Spiegel bin ich jetzt immer im Bilde und sehe sofort, wenn meine Hinterbänkler, Ayla, Klaus-Dieter und Jimmy wieder schlimme Scherze aushecken oder andere Angehörige der Klassengemeinschaft während des Unterrichts mit ihren Smartphones spielen!

Eine weitere Maßnahme, zu der ich mich nach Lektüre der Fachliteratur und eingehender Selbstanalyse durchgerungen habe: eindimensionales Handeln auf der Disziplin- und Managementebene werde ich in Zukunft konsequent vermeiden! Denn: „ineffektives Lehrerhandeln, wie ständiges Ermahnen, Verwarnen und Drohen sind ungeeignete Interventionen. Die ausgewählten Disziplinarmaßnahmen führen keine Besserung herbei, sondern werden im Gegenteil selbst zur Störungsquelle und wirken sich negativ auf die Beziehungsebene aus!“

Als ich ich das las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Sofort entschloss ich mich zu einer noch stärkeren Nutzung kommunikativer und integrativer Strategien. Das hat jetzt klare Vorteile für beide Seiten, denn mein Berner Sennhund „Ludwig“ sitzt nicht mehr alleine zuhause und muss auf mich warten, sondern wird von Unterrichts-Störern auf dem Schulhof Gassi geführt! Eine ungewöhnliche, moderne Konfliktlösungsstrategie, die sich bestens bewährt hat, denn mit Ludwig können die Schüler nun wunderbar nachhaltige Sozialstrategien einüben!

Hier noch zwei weiterer Sätze aus den Büchern, die ich mir ganz dick markiert habe, weil sie sich direkt an uns Lehrerinnen und Lehrer wenden: „Um der Unterrichtsrealität gerecht werden zu können, müssen unsere subjektiven Theorien hinreichend komplex, d. h. reichhaltig und differenziert sein (vgl. DANN/HUMPERT 1987)“ und: „Wir müssen handlungswirksame, praktische Theorien (Herstellungswissen) an der Erfahrung bilden, was am besten durch erfolgreiches Handeln geht.“  Das sind für mich profunde Erkenntnisse, die ich schon bald mit meinem Lehrer-Kollegium der Thomas-Gottschalk-Realschule diskutieren werde! Als erste, ganz persönliche Konsequenz habe ich mich heute spontan zu einer (hinreichend komplexen) Lehrerfortbildung bei Frau Sonngart Seitenspeck-Minku angemeldet. Thema: „Gestaltungsprinzipien japanischer Raku-Keramik und ihre praktischen Anwendungsmöglichkeiten im Spiegel neuzeitlicher Schulpädagogik“.

Ich halte Euch auf dem Laufenden!

 

Foto : CBS, „Klassenraum 5“, CC-Lizenz (BY 2.0)
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

Anneliese Schaluppke-Schlauenburg

Oberstudienrätin und seit 30 Jahren Lehrerin an der Thomas-Gottschalk-Realschule im schönen Malzheim an der Piesel. mehr über mich

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