Klassenfahrt muss sein!

Gute Nachrichten für alle Schulpädagogen, die sich mit Hand und Herz für ihre Schülerinnen und Schüler engagieren und sie regelmäßig auf Exkursionen und Klassenfahrten begleiten: Reisen bildet! Die Klassenfahrt ist großartig, um soziale Kompetenzen zu erlernen, auf ihr können politisches und kulturelles Wissen hautnah vermittelt werden und ist nicht zuletzt ist sie unverzichtbarer Bestandteil der Völkerverständigung! Die Klassengemeinschaft und das Verantwortungsbewusstsein der schulischen Gemeinschaft werden gestärkt und, last not least, zeigt die die Klassenfahrt den Heranwachsenden eine Vielzahl attraktiver beruflicher Perspektiven auf , sei es nun in der Touristik, im Hotelgewerbe oder in der internationalen Spitzengastronomie.

Ist es nicht erschütternd, dass immer mehr Kolleginnen und Kollegen innerlich kündigen und sich den Freuden und Herausforderungen der regelmäßigen Klassenfahrt verweigern? Mit großer Traurigkeit vernahm ich von meinem dreizehnjährigen Neffen Jeremias-Noel  (Name von der Redaktion geändert) die Antwort auf meine Frage, wohin denn in diesem Jahr die Klassenfahrt ginge! „Fällt aus!“ sagte er lapidar und biss enttäuscht in sein Frühstücksbrötchen. „Warum“ fragte ich ihn sanft und goss fürsorglich noch etwas Tee in das chinesische Porzellantässchen neben seinem Teller. „..Is den Lehrern zuviel Stress…“ murmelte er verlegen. Ratlos blickte ich in die Krone des blühenden Kirschbaumes in unserem Vorgarten und hing an diesem Tag noch lange der Frage nach, wohin es mit unseren Erziehungs-Idealen von einst gekommen ist.

Gibt es sie überhaupt noch, die Lehrer, die sich bedingungslos für ihre Schützlinge einsetzen, die auch vor den Strapazen einer Klassenfahrt nicht zurückschrecken, weil sie wissen, dass sich solche Reisen lohnen und bei allen Schülern lange in Erinnerung bleiben? Oder sind Beamten-Status, Tariferhöhungen, Ausgleichszahlungen und Versorgungsansprüche alles, woran wir noch denken? Ja, gute Arbeit muss auch gut bezahlt werden. Und natürlich weiß auch ich um die Problematik sogenannter Crash- und Problemkids. Hier sind versierte, unerschrockene Pädagogen gefragt , die sich der Realität stellen, und die neben Nahkampf- und Selbstverteidigungs-Techniken Nerven aus Stahl besitzen und über psychologisches Spitzen-Knowhow verfügen. Wenn wir es alleine nicht mehr schaffen, benötigen wir eben Respekt-einflößende Aushilfskräfte aus anderen Regionen dieser Welt. Deutschland ist schließlich ein Einwanderungsland. Aber eins steht  fest: Klassenfahrt muss sein!

Anneliese Schaluppke-Schlauenburg

Oberstudienrätin und seit 30 Jahren Lehrerin an der Thomas-Gottschalk-Realschule im schönen Malzheim an der Piesel. mehr über mich

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